Es gibt keine „die“ Dysphagie
Und trotzdem behandeln wir sie so. Wir schreiben „Schlucktraining“ auf Verordnungen, arbeiten Übungslisten ab und dokumentieren, ob jemand gehustet hat. Dabei ist der Schluckakt kein Muskel, den man kräftigt, sondern ein Muster, das abgerufen wird — und Husten ist keine Diagnose, sondern eine Reaktion, die genauso gut ausbleiben kann.
In diesen vier Abenden gehen wir das gesamte Thema durch: von der Steuerung des Schluckakts über die Diagnostik bis zu den Krankheitsbildern und der Frage, was am Ende eigentlich Erfolg heißt.
Was dich erwartet
Abend 1 — Verlernen
Die vier Phasen und ihre Steuerung. Warum das Gehirn keine einzelnen Muskeln kennt. Die zwei Aufgaben des Schluckakts — und warum wir sie systematisch falsch gewichten. Zehn verbreitete Sätze, die der Prüfung nicht standhalten.
Abend 2 — Hinschauen
Klinische Untersuchung, Wassertest, Blau-Schlucke, GUSS: was sie können und wo sie strukturell versagen. Der Zeitpunkt der Aspiration und was er dir verrät. FEES und VFSS. Wie du aus der Lage von Residuen auf die gestörte Funktion schließt. Und welche Frage welcher Score beantwortet.
Abend 3 — Eingreifen
Restitution, Kompensation, Adaptation — mit einer Prüffrage, die dir Maßnahmen aussortiert. Die gängigen Manöver mit Indikation, Durchführung und Fallstricken. Mundpflege und Speichel. Das Kapitel Eindicken, ehrlich gerechnet. Und der aktuelle Stand der Evidenz, inklusive dessen, was sich seit Jeri Logemanns letzter großer Übersicht verändert hat.
Abend 4 — Anwenden
Die neurogenen Krankheitsbilder mit ihren Störungsschwerpunkten. Was von der Trachealkanüle in der ambulanten Anamnese bleibt. Die Auflösung des Falls. Und ein Kapitel über Lebensverlängerung, Lebensverkürzung und die Frage, woran du deine Arbeit misst.
Der Fall
Frau M., 74, Schlaganfall vor zwei Jahren, zu Hause versorgt. Die Tochter möchte, dass ihre Mutter wieder mit am Tisch isst. Der Pflegedienst möchte die Medikamente oral geben. Auf der Verordnung steht: „Kann sie schlucken?“
Die Antwort ist ja. Und damit ist niemandem geholfen. Der Fall läuft über alle vier Abende und wird am letzten aufgelöst.
Für wen
Für Logopädinnen und Logopäden, Sprachtherapeutinnen und Sprachtherapeuten, die mit neurogenen Dysphagien arbeiten — ambulant, im Heim, in der Praxis oder in der Klinik. Vorwissen ist willkommen, aber nicht nötig. Der Kurs beginnt bei der Steuerung des Schluckakts und endet bei der Ethik.
Was du mitnimmst
- Ein Skriptum in vier Teilen, das nicht die Folien nacherzählt, sondern das enthält, was du nachschlagen willst: Zahlen, Grenzwerte, Entscheidungswege, Literatur
- Eine Matrix, die vom Befund zur Maßnahme führt
- Den aktuellen Stand der Evidenz zu den gängigen Verfahren
- Eine Teilnahmebescheinigung über 16 UE und 16 Fortbildungspunkte



